 AIDA Blu in Bergen Ein deutscher Sommer kann so schön sein: Entweder im verregneten Deutschland ausharren oder aber mit dem Kreuzfahrt-schiff auf Entdeckertour gehen. Zum Beispiel in die atemberaubende Naturlandschaft Norwegens. Wir machten uns auf den Weg nach Norwegen auf die schönste Art und Weise: Per Schiff. Kommen Sie mit uns, auf Entdeckungsreise.
Doch fangen wir einmal ganz vorne an. Am Anfang Stand der Entschluß, einmal abseits des üblichen Karibik-Tourismus etwas neues zu Erleben: Norwegen im Sommer. Gesucht und gefunden haben wir ein passendes Angebot von AIDA, welches zu unserer Tour im Juni knapp 1.000 Euro pro Person für 9 Tage Nordland kostet. Für eine Innenkabine auf der AIDAblu, wohlgemerkt. Die sticht in diesem Jahr noch von Kiel in See. Bald schon wird sie allerdings nicht mehr für AIDA fahren. Und ihre Nachfolgerin legt dann in Zukunft ab Hamburg ab. Eigentlich zu bedauern, denn Kiel ist ein liebenswerter Ausgangspunkt für Kreuzfahrten. Der Hauptbahnhof liegt in bequemer Geh-Weite zur Ablegestelle und überhaupt liegt man mit dem Schiff direkt im (überschaubaren) Stadtzentrum. Dazu noch ein paar Einkaufscenter, die nicht nur für die per Fähre angereisten Schweden eine Attraktion sind, und fertig ist das kleine Kreuzfahrer-Paradies. Allerdings: Für Menschen aus Süddeutschland nicht immer ganz unkompliziert erreichbar. Der Kieler Flughafen ist ebenso wie die Innenstadt überschaubar, um nicht zu sagen sehr klein. Cirrus Airlines, Partner der Lufthansa, fliegt theoretisch aus München hier hin. Mein Flug aber wird abgesagt und stattdessen reise ich auf Cirrus Kosten per Taxi von Hamburg aus an. Schade eigentlich, denn der Anflug über die Kieler Förde soll spektakulär sein. Viele der Mitreisenden ziehen offenbar die Anreise per Auto vor. Praktisch, daß man in Kiel bis ans Schiff vorfahren kann und gleich von netten AIDA-Damen in Empfang genommen wird, während kräftige Hände die Koffer verladen. Wer es ganz bequem mag und das entsprechende Kleingeld hat, kann seinen Wagen dann auch gleich abgeben und von AIDA parken lassen. Er bekommt sein Auto dann nach der Kreuzfahrt genauso bequem wieder. Mit etwas mehr Mühe aber deutlicher Ersparnis im Geldbeutel lässt sich das Fahrzeug aber auch alleine sicher am Hafen verstauen: Jede Menge Parkplätze und Parkhäuser haben sich auf die dauerparkende Kundschaft spezialisiert und bieten günstige Deals an (z.B. Parkplatz Kai-City am Böllhornkai-Gaardener Ring, Firma Nordpark: 3,50 /Tag oder ca. 15 /Wo, Tel: 04343/499487 oder auch www.kiel.de/parken). Hat man sich erst einmal seiner irdischen Sorgen (sprich seines Fahrzeuges) entledigt, so heißt es warten. Um 16 Uhr startet der Checkin. Offiziell. Aber die hungrige Meute gelang mit uns früher an Bord. Bereits ab 15 Uhr begann der Check-In-Prozess. Trotz der Warnungen unzähliger AIDA-Scouts (Kommen Sie ruhig später, dann müssen Sie nicht warten.) sind wir mit die ersten in der Schlange. Und die geht erfreulich schnell durch den Terminal. Gutschein abgeben und Kreditkarte durchziehen, dann noch ein Foto und schließlich Sicherheitskontrolle, dann sind wir an Bord der für AIDA Verhältnisse schon älteren Lady AIDAblu. Tag 1: Seetag Von Kiel aus sind erst einmal einige Seemeilen zurückzulegen, um an die norwegische Küste zu gelangen. Jetzt ist ein Seetag in der Nordsee nicht unbedingt vergleichbar mit einem Seetag in der Karibik, und ein Seetag auf der AIDAblu auch nicht unbedingt mit den Möglichkeiten eines modernen Royal Caribbean-Schiffes. Sprich: Man muss schon selber für etwas Unterhaltung sorgen. Draußen an Deck pfeift ein eisiger Wind, und die Liegen an Bord sind nur mit den Wolldecken aus der Kabine zu genießen. Öffentliche Räume an Bord, von denen aus man die Sicht und das Meer geniessen könnte, ohne jedesmal eine Erkältung zu bekommen, gibt es aber nur wenige. Hier würde ein Aussichtsraum oder ähnliches der AIDAblu guttun. Dann könnte man mit einem gepflegten Buch das Meer vorbei ziehen lassen. So aber muß man mit seinem Buch entweder draußen frieren, oder aber in der eigenen (Innen-) Kabine ein Einsiedlerleben führen. Ansonsten bietet sich praktisch nur die Lobby zum Sitzen und Lesen an, sowie einige wenige Plätze in den Bars. Einen richtigen Blick aufs Meer hat man aber an allen diesen Orten nicht. Ein echter Minuspunkt am ersten Tag. Aber der nächste Tag sollte uns dafür entschädigen
... Jetzt geht es los: Ulvik, Eidfjord Wer Norwegen genießen will, muß früh aufstehen. Sehr früh. Und gut angezogen sein. Denn es ist bitterkalt morgens um 6 Uhr auf der Aussichtsplattform. Das, was die AIDAblu durch das Fehlen geeigneter Aussichtsräume innen gestern bei uns an Minuspunkten gesammelt hat, macht sie heute mit der genialen Plattform auf Deck 9 vorne wieder wett. Scharf im Wind kann man dort stehen, die Wellen hören und das Fahrtziel vor Augen haben. Beachtlich ist das Schauspiel der Natur, welches sich dem geneigten Zuschauer bietet. Ständig wechselnde Lichtverhältnisse, das Spiel von Wolken, Meer, Sonne und Schatten weiß zu faszinieren. Anbei einige Impressionen, alle fotographiert am gleichen Morgen bei der Einfahrt nach Ulvik. Wir verlassen das Schiff in Ulvik und werden mit den Rettungsbooten ausgetendert, d.h. an Land gefahren. Von dort starten wir zu einer über das Schiff gebuchten Aussichtstour per Bus und Zug durch das Hinterland der Fjorde. Imposant vor allem die wechselhaften Landschaften: Blühende Obstbäume am Fjord, geschlossene Schneedecke in Myrdal und ansonsten eine eher noch braune Vor-Frühlingslandschaft im Hinterland.
Bergen Die alte Hansestadt Bergen ist unser nächstes Ziel nach dem Verlassen des Fjords. Das recht beschauliche Städtchen hat sich voll auf Touristen eingestellt, und ist mit seiner Mischung aus nordischem Charme, der offensichtlichen Verbindung zum Meer und den teilweise alten erhaltenen Bauten ein Besuch wert. Die Altstadt gruppiert sich malerisch um den Hafen herum und besteht in ihrem touristischen Kern aus schön restaurierten Bauten, in den allerdings längst Touristen-Läden eingezogen sind. Hier gibt es farbenfrohe Norwegerpullis in allen Variationen, Fahnen des Landes und allerlei anderen mehr oder weniger nützlichen Krimskrams. Immerhin eine der besten Möglichkeiten, die unbedingt notwendigen Reiseandenken für die Daheimgebliebenen aufzustocken. Direkt neben den modernen Touristenfallen liegt aber dann doch noch etwas typisch norwegisches: Der Fisch-Markt, auf dem die Verkäufer den Fang des Tages anpreisen. Hier gibt es fast alles, was das Meer in diesen Breitengraden hergibt. Und das ist dank des Golfstroms eine ganze Menge. Völlig unbefangen bieten die Norweger auch so manches an, was für Deutsche eher befremdlich ist. Walfleisch z.B. harrt da neben Garnelen seiner Käufer. Auch für den Sofortverzehr ist man gewappnet: Fast alles gibt es auch gleich auf Brötchen für die Stärkung unterwegs. Aber auch das ist Bergen: Beschauliche Gassen, verwinkelte Straßen, fast schon verwunschene Häuser. Anheimelig wirkt das Leben hier, ganz fern von Hektik einer Groß-Stadt, wie sie Bergen für norwegische Verhältnisse ja schon ist. Hier ist er, der nordische Look, für den wir so viele (See-) Meilen zurückgelegt haben. Farbig angestrichene Häuser, weiße Fensterrahmen. Wie im Bilderbuch. Am besten entdeckt man diese stillen Seiten von Bergen bei einem Spaziergang durch die Altstadt. Hier bietet sich z.B. eine Fahrt auf den Stadtberg mit der Floy-Bahn an. Diese Standseilbahn bringt einen in knapp 5 Minuten auf den Hügel, von dem sich ein schöner Blick auf die gesamte Stadt ergibt. Ein ausgiebiges Netz an Wanderwegen führt dann zurück in die Stadt.
Geiranger Fjord Ganz früh aufstehen muß, wer den Geiranger Fjord anschauen möchte. Denn schließlich schiebt sich die AIDAblu schon ab den frühen Morgenstunden durch die Ausläufer des gigantischen Fjordsystems an dessen Ende der König der Fjorde, der Geiranger auf uns wartet. Ehrfürchtig erläutert der Kapitän über die Außenlautsprecher, daß dieser Fjord von allen Wasserstraßen, die er befahren hat, die schönste sei. Fast schon widerwillig, so erscheint es, überlässt er das Mikrophon an den Bord-Experten für Fjorde, der jetzt eine Anekdote zu jeder Kurve, jedem Felsen erzählen kann. Hier eine waschechte Pfirsich-Plantage in Norwegen, die sich dank Golfstrom im Fjord halten kann, dort ein aufgelassener Bauernhof in schwindeleregender Höhe, auf dem gerne das norwegische Königshaus feiert. Dann die sieben Schwestern, eine Serie von Wasserfällen und schließlich liegt Geiranger vor uns. Es ist gute Tradition, daß jedes Kreuzfahrt-Schiff hier von einer Serie von Böllerschüssen empfangen wird. Und die Böller in Verbindung mit den Steil abfallenden Granitfelsen sorgen für ein mächtig beeindruckendes Echo, das sich schier endlos zu wiederholen scheint. Im Ort Geiranger gibt es übrigens ein ausgebautes Wanderweg-Netz, welches auch die Berge einbezieht und Touren auf eigene Faust ermöglicht. Und hier sollte man auf jeden Fall die Chance Nutzen um die Landschaft und Natur auf sich wirken zu lassen. Fast schon mitleidig werfen wir einen Blick auf unsere Mitreisenden, die zu einer der Aktiv-Touren weggefahren werden. Denn wegfahren heißt auch diesen wunderbaren Ort verlassen zu müssen, anstelle hier direkt im Tal etwas unternehmen zu können. Welche Möglichkeiten es gibt, stellen wir Kürze auf unserer Infoseite näher vor.
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